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(March 2011) Environment / Umwelt
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See all newsDer Castor rollt durch Ribnitz
28/03/2011
Von Maria Therese Wiemer
Atomkraft – spätestens seit dem 11. März 2011 eines der Topthemen. Alle Länder und Gesellschaften stellen sich nun Fragen zur Sicherheit von Atomkraftwerken oder behaupten, sie könnten die Lage auf der fernöstlichen Insel beurteilen. Doch die Diskussion zur Atomkraft war schon vorher ein großes Thema, welches viele Leute bewegt hat.
In meiner Heimatregion, dem Raum um Ribnitz-Damgarten in Norddeutschland, war die Atomenergie auch vor der verheerenden Naturkatastrophe in Japan eine ganz heiß diskutierte Frage. Grund dafür war das neue Gesetz über die verlängerten Laufzeiten der Atomkraftwerke – obwohl Deutschland auf erneuerbare und umweltschonende Energie setzen wollte, wurden die Laufzeiten der Atommeiler durchschnittlich um 12 Jahre verlängert. Viele Leute fragten sich, wo der umweltschonende Vorsatz der Politik geblieben ist, wenn allein Deutschland noch die nächsten 24 Jahre lang Atommüll produzieren sollte. Gleichzeitig tragen die größten deutschen Energiekonzerne einen gewaltigen Gewinn davon – und eine neu eingeführte "Brennelementesteuer" wird auf den Verbraucher umgewälzt.
Dazu kommen Skandale rund um atomare End-und Zwischenlager. So sind zum Beispiel rund um das Endlager Asse in den letzten Jahren überdurchschnittlich viele Leukämiefälle aufgetreten. In andere Deponien soll Wasser eindringen und Gefahr laufen, eventuell mit Strahlenbelastung wieder ins Grundwasser einzutreten. Weiterhin wurden in Deutschland allein letztes Jahr 66 Störfälle in Atomkraftwerken gemeldet – also erlebt Deutschland mindestens einmal die Woche die Bedrohung eines nuklearen Zwischenfalls.
Riesige Proteste in der Heimatstadt
Auch ich hatte vor kurzem persönliche Erfahrungen mit dem Thema Atomkraft – denn im Dezember rollte ein Castortransport, ein Zug gefüllt mit 2.500 ausgedienten radioaktiven Brennstäben, quer durch meine Heimatstadt und in ein Zwischenlager. Schon im Vorfeld waren alle sehr aktiv: Die Polizei war pausenlos mit Routenplanung und Castorsicherung beschäftigt, Polizeibeamte aus der ganzen Bundesrepublik wurden abkommandiert, die genaue Strecke des Zuges wurde bis zum letzten Moment geheim gehalten. In meiner Schule bildete sich eine Gruppe Umweltaktivisten, die auf den Castor aufmerksam machte. Sie organisierten Gruppentreffen und am Tag sogar eine Mahnwache direkt am Bahnhof. Bei klirrenden Minusgraden sahen sie die grauen Castoren vorbeirollen, die zur „Zwischenlagerung“ bis mindestens 2080 nach Lubmin rollten. Doch nicht alle Aktivisten blieben friedlich, manche gingen extremer vor: Beschädigungen, Sitzblockaden, Demonstranten die sich an Gleise ketten. Dies hatte zu Folge, dass etwa 100 Personen festgenommen wurden, der Castor gestoppt wurde und die ganze Angelegenheit für Staat sowie damit Steuerzahler noch teurer wurde.
Was sollte man am besten tun?
Für mich persönlich ist die Atomenergie ein schwieriges Thema: auch abgesehen von der momentanen Diskussion über Strahlenbelastung aufgrund des Super-Gaus in Japan bin ich überzeugt, dass Deutschland mit der richtigen Strategie seinen Energiehaushalt größtenteils durch saubere, erneuerbare Energien decken und somit auf Atommüll verzichten könnte. Viele Fakten sprechen gegen die Atomkraft, doch solange der Politik der Lobbyismus wichtiger ist als der Umweltschutz, wird sich wahrscheinlich nichts ändern. Eine der wenigen positiven Seiten der Atomkatastrophe in Fukushima ist daher auch die Revision der verlängerten Laufzeiten und ein Überdenken der Energiepolitik. Doch trotz allem weiß ich nicht, was als Bürger die richtige Strategie ist, um sich gegen Atomkraftwerke und Castortransporte zu wehren? Grün wählen, obwohl die damalige grüne Regierung die Zwischenlagerung von bundesdeutschem Müll im Lager Lubmin veranlasst hat? Aktiv gegen den Castor demonstrieren? Oder doch tatenlos zusehen, wie der Castor rollt? Fest steht, dass die Aufregung beim nächsten Transport wieder losgehen wird.
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